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Das
Kunststudium war Frauen noch nicht möglich und so arbeitete Lou weiterhin
neben den Gesprächen und Analysen mit Freud als Aktmodell. Erst 1909 wurde
es ihr durch kleinere Bildverkäufe und Geldgeschenke von Verehrern möglich,
diese Tätigkeit zu beenden. Ihre frühen Arbeiten sind stark von den
ehemaligen Künstlern der Klimt-Gruppe geprägt: Expressiver Ductus,
starke Farbigkeit und ornamentale Elemente sind beherrschend. Die Geschichte der Lou Rosenblatt (Teil
1)
Ludovika
Xenia Rosenblatt wurde am 18. Juni 1889 in Wien-Leopoldstadt als ältere
von zwei Schwestern geboren. Ihr Vater, Jakob Rosenblatt, war Inhaber eines
Altwarengeschäftes in der Glockengasse 11. Er selbst bezeichnete sich
allerdings als Bibliothekar oder Antiquar. Die Mutter, Ricarda Rosenblatt,
war eine energische, fröhliche und praktisch veranlagte Frau. Während
Jakob sich in seiner sanftmütigen und introvertierten Art lieber im Bücherlager
aufhielt, hielt sie das Geschäft in Schwung und die Kunden bei Laune.
Ab September 1895 besuchte Ludovika die Bürgerschule in der Zirkusgasse.
Ihre Freizeit verbrachte sie im nahegelegenen Augarten oder im Geschäft
ihrer Eltern. Dort dürfte sie auch erstmals mit den damals neuartigen
Versandhauskatalogen konfrontiert worden sein. Die unzähligen Abbildungen
(Kupferstiche) von Produkten ohne jegliche symbolische oder narrative Bedeutung
faszinierten sie.
Weiters hat sie sich schon sehr früh mit Athanasius Kirchner und Robert
Fludd beschäftigt. Allerdings weniger inhaltlich als formal. Fludds Visionen
über den Kosmos, die in der Philosophia moysaica (1638) samt Illustrationen
visualisiert werden, haben Ludovika nachhaltig beeinflusst.
1906 als Siebzehnjährige hatte sie eine weitere persönlichskeitsprägende
Erfahrung. Nach dem unabsichtlichen Genuss eines Fliegenpilzes erlebte sie
durch die halluzinogene Wirkung eine dermaßen veränderte Umwelt,
dass sich ihr ganzes Bewusstsein radikal veränderte. Ihr Drang nach Freiheit
und ihr Wunsch nach kreativem Ausdruck wurden so groß, dass sie die
Leopoldstadt und ihre Familie verließ, um einen neues Leben zu beginnen.
Fortan verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Aktmodell der neu gegründeten
Klimt-Gruppe. Kolo Moser, Ernst Stöhr und eben Gustav Klimt arbeiteten
mit ihr. Kolo Moser, den sie im Café Zentral kennengelernt hatte, war
es auch, der ihr empfahl, ihren Namen auf Lou Rosenblatt umzuändern.

Im August 1906 traf sie ebenfalls im Café Zentral erstmals auf Sigmund
Freud. Der fünfzigjährige Freud war von Lous direktem und intelligentem
Wesen, in das er neben androgyner Erotik und mystischer Tiefe auch einen einzigartigen
Zugang zum Unterbewußtsein interpretierte, so angetan, dass er sie fortan
als "Medium" für seine Forschungen und Analysen bei der "Traumdeutung"
benötigte. Zu diesem exklusiven Zweck mietete er in der Strozzigasse
42, einem kleinem Biedermeierhaus im 8. Bezirk, eine winzige Wohnung für
Lou. In dieser Wohnung, die Lou fast sechs Jahre bewohnte, begann ihr künstlerischer
Werdegang.
Das Kunststudium war Frauen noch nicht möglich und so arbeitete Lou weiterhin
neben den Gesprächen und Analysen mit Freud als Aktmodell. Erst 1909
wurde es ihr durch kleinere Bildverkäufe und Geldgeschenke von Verehrern
möglich, diese Tätigkeit zu beenden. Ihre frühen Arbeiten sind
stark von den ehemaligen Künstlern der Klimt-Gruppe geprägt: Expressiver
Ductus, starke Farbigkeit und ornamentale Elemente sind beherrschend.
Und wieder war es Kolo Moser, durch den sie einen wesentlichen Kontakt knüpfte.
Kolo Moser, der mit Josef Hoffmann 1903 die Wiener Werkstätten gegründet
hatte, druckte das Buch eines jungen Malers und Grafikers, Titel: "Die
träumenden Knaben", Künstler: Oskar Kokoschka. Der drei Jahre
ältere Kokoschka hatte die Kunstgewerbeschule gerade beendet und lebte
in großer Armut. Die erotische Anziehung zwischen Lou und Oskar war
enorm. Zu ihrer leidenschaftlichen Beziehung kam die intellektuelle Diskussion
über den Kampf gegen das Ornament. In nächtelangen Diskussionen
mit Adolf Loos fanden bei Lou und Oskar eine Befreiung vom Ornament sowie
der Ästhetik der Klimt-Gruppe und der Kunstgewerbeschule statt.